Das Logo von Jellyfin auf schwarzem Hintergrund

Jellyfin statt Netflix: Meine Filme, mein Server, keine Algorithmen

Jellyfin

Du loggst dich bei Netflix ein und willst die Serie weiterschauen, die du letzte Woche begonnen hast. Doch sie ist nicht mehr da. Nicht, weil du zu doof zum Finden bist, sondern weil Netflix sie aus dem Katalog genommen hat. Mittlerweile stolpere ich in meiner Watchlist immer öfter über das zynische Label »Letzte Chance«, während die Neuzugänge im Katalog vor allem ein müdes Gähnen bei mir auslösen. Was soll das?

Meine Probleme mit Streaming

Lange Zeit hatte ich vier verschiedene Streaming-Dienste parallel abonniert: Apple TV+, Netflix, Amazon Prime Video und Disney+. Dafür zahlte ich jeden Monat um die 40 oder 50 Euro. Das ist echt ein ganzer Haufen Geld. Und es wird immer teurer: Gerade jetzt, im Januar 2026, will Netflix wieder einen Euro pro Monat mehr von mir haben. Das habe ich zum Anlass genommen und mein Abo gekündigt. Denn nicht nur, dass ich in der aktuellen Situation amerikanischen Unternehmen möglichst wenig Geld geben will, nein! Ich finde auch, dass Netflix sein Geld nicht mehr wert ist. Einerseits bekomme ich in meiner umfangreichen Watchlist permanent so etwas hier zu sehen:

Screenshot von Netflix des Films »Terminal«, versehen mit dem Hinweis »Letzte Chance«.
Mit Letzte Chance markierter Film in meiner Netflix-Watchlist. (16.01.2026)

»Letzte Chance« – soll heißen, der Film verschwindet aus dem Netflix-Katalog. Meine Watchlist leert sich ohne mein Zutun in einem atemberaubenden Tempo, weil ich gar nicht hinterherkomme, diese ganzen »Letzte Chance«-Filme zu sehen. Gleichzeitig treffen die neuen Inhalte der Plattform im Schnitt nicht meinen Geschmack. Sprich: Das Preis-Leistungsverhältnis von Netflix ist für mich im freien Fall begriffen. Und darum habe ich es gekündigt. Meine Familie hat deswegen nicht einmal gemurrt.

Der Content, der aus dem Katalog von Netflix verschwindet, ploppt dann übrigens irgendwann plötzlich bei Prime auf (oder umgekehrt – die Serie Lucifer ist so ein Beispiel). Das ist doch maximal verwirrend.

Vier Dienste parallel machten das Streaming-Erlebnis ohnehin absolut unübersichtlich für mich, ganz abgesehen davon, dass Content munter von einer zur anderen Plattform migriert. Wo lief jetzt doch gleich Wednesday? Auf Disney+? Auf Prime? Ach nee, auf Netflix. Wenn ich einen konkreten Film sehen will, muss ich mich von einem Dienst zum nächsten klicken und jedes Mal suchen, ob der Film zufällig in diesem Streaming-Katalog enthalten ist. (Irgendwann fand ich dann immerhin die Website werstreamt.es, auf der du den aktuellen Streaming-Dienst für einen Film oder eine Serie recherchieren kannst.)

Disney+ hatten wir ohnehin ausschließlich für die Star-Wars-Inhalte abonniert. Das habe ich im selben Moment gekündigt, als auch meine Amazon-Prime-Mitgliedschaft auslief. Nun ist in ein paar Tagen auch Netflix weg. Bleibt noch Apple TV+, was uns aber aufgrund unserer iCloud-Konstellation noch ein Weilchen begleiten wird.

Mein Problem mit digitalen Käufen

Screenshot von Apple TV+ und der Serie »Monk« mit dem Button »Ab 2,99 € kaufen«
Screenshot von Apple TV+ und der Serie »Monk« mit dem Button »Ab 2,99 € kaufen«. Abgerufen am 15. Januar 2026

Bei Apple habe ich über die Jahre hinweg insgesamt 128 Filme und insgesamt 15 Staffeln diverser Serien digital gekauft – oder so dachte ich zumindest. Der Button sagt ja schließlich »Kaufen«. Doch die harte Realität ist: Ich habe nie wirklich etwas gekauft. Ich habe nur die Erlaubnis bekommen, einen Film anzuschauen – solange Apple mir das erlaubt.

Das wurde mir bewusst, als plötzlich der Lieblingsfilm meines damals vierjährigen Sohnes aus meiner Bibliothek verschwunden war. Spurlos. Einfach … weg. Ich habe keine Begründung erhalten, keinen Hinweis, keine Entschuldigung. Und der Kaufbetrag? Auch weg. Keine Rückerstattung. Einfach Pech gehabt. Ich weiß bis heute nicht, was da passiert ist, denn natürlich konnte ich auch mit niemandem sprechen, der mir das erklärt hätte.

Das betrifft übrigens nicht nur Filme – eine norwegische Amazon-Kundin bemerkte 2012 plötzlich, dass ihr Amazon-Konto ohne Vorwarnung geschlossen und ihr Kindle-Gerät ferngelöscht worden war. Auf ihre über 40 gekauften Kindle-Bücher hatte sie keinen Zugriff mehr, sie konnte nicht einmal mehr ihr Kindle-Gerät reaktivieren. Der Amazon-Kundenservice verwies bloß auf nicht näher spezifizierte Richtlinienverstöße. Nur wegen des großen öffentlichen Drucks wurde sie dann wieder freigeschaltet und bekam ihr vermeintliches Eigentum zurück.

Der Trump-Faktor beim Streaming

Ich habe eine ganze Menge Filme in meiner Bibliothek, die auf der Abschussliste der rechtsextremistischen Trump-Regierung stehen dürften: Der Herr der Fliegen, 1984, Im Westen nichts Neues (in der Version von 1930), They Shall Not Grow Old, Uhrwerk Orange – solche Sachen. Filme, die kritisches Denken anregen, die sich gegen Krieg und gegen autoritäre Regime wenden. Irgendwie gehe ich stark davon aus, dass Apple auf Druck der Trumpisten irgendwann damit anfangen wird, unliebsame Filme zu entfernen und mir den Zugang dazu zu verweigern.

Der Begriff »Kaufen« ist in diesem Zusammenhang nicht nur fragwürdig – er ist irreführend. Es ist kein Kauf. Es ist ein Mietvertrag auf Lebenszeit – und wie lang diese Lebenszeit währt, bestimmt jemand anderes.

Die Lösung: Offline schauen!

Nun kann ich natürlich die gekauften Filme und Serien auf meine Apple-Geräte herunterladen und sie offline anschauen. Aber eben nur eingeschränkt. Ich muss zwingend die Apps von Apple nutzen, denn die Mediendateien selbst sind mit einem effektiven Kopierschutz versehen ist. Ich kann die Medien nicht mal auf Dienstreise mitnehmen und dort schauen, weil mein berufliches MacBook mit einem anderen iCloud-Account verknüpft ist.

Und in ein anderes Format umwandeln, um eine Sicherungskopie zu haben, falls Apple Filme aus meinem Katalog entfernt?

In Deutschland habe ich theoretisch das Recht, mir für den Privatgebrauch Sicherungskopien von legal gekauften Medien anzulegen – auch in anderen Dateiformaten. Praktisch wird dieses Recht aber durch Kopierschutzmaßnahmen und § 95a UrhG ausgehebelt: Sobald nämlich ein Film mit einem effektiven Kopierschutz (Digital Rights Management, DRM) versehen ist, darf ich den Schutz nicht umgehen, selbst wenn ich die Kopie nur für mich behalten will. Apple verhindert also mit seinem DRM technisch genau das, was mir das Gesetz auf dem Papier eigentlich zugesteht.

Das alles zusammen führt bei mir zu einem Gefühl von Ohnmacht: Ich besitze nichts wirklich. Ich bin ein rechtloser Spieler in einem Spiel, das andere kontrollieren und bei dem sie willkürlich jederzeit die Spielregeln ändern können.

Es geht auch anders

Dann bin ich auf TikTok über den Creator @discount_orlok gestolpert, bei dem ich das erste Mal davon hörte, dass man sich sein ganz privates Netflix bauen kann – einen eigenen Streaming-Dienst, nur für meine Familie und mich. Bei ihm hörte ich das erste Mal vom Open-Source-Medienserver Jellyfin. Meine Filme, mein Server, meine Regeln. Das würde ich auch gern machen! Mein erster Gedanke war allerdings: »Das ist bestimmt mega kompliziert.« Aber wie sich herausstellen sollte: Nö, eigentlich gar nicht. (Danke dir Orlok. Grüße gehen raus nach Kansas!)

Wie funktioniert Jellyfin?

Du schnappst dir irgendeinen alten Rechner, der vielleicht bei dir in einem Regal verstaubt. Darauf installierst du Jellyfin. Bei mir war das anfangs ein Mini-Computer, genauer: ein Raspberry Pi 4B für nicht einmal 100 Euro. Mittlerweile bin ich allerdings aus Gründen der Bequemlichkeit auf einen Mac mini von 2012 umgestiegen, den ich von meiner 2018 verstorbenen Mutter geerbt habe und der seither in einer Ecke herumlag.

Dieser Computer ist jetzt dein Jellyfin-Server.

Wie du an Filme und Serien kommst, ist dir überlassen. Natürlich darfst du sie nur aus legalen Quellen beziehen. Ich zum Beispiel bin in den Keller gegangen und habe die ganzen Umzugskartons mit all unseren alten DVDs und Blu-rays herausgesucht. Sofern diese keinen effektiven Kopierschutz besessen haben, habe ich mir davon mit meinem Blu-ray-Laufwerk und einer entsprechenden Software digitale Sicherungskopien erstellt. Diese digitalen Sicherungskopien liegen jetzt in einer bestimmten Art und Weise auf den Jellyfin-Festplatten.

Filme rippen – so nennt sich der Vorgang der Digitalisierung – nimmt viel Zeit in Anspruch. Eine einzige Blu-ray kann locker mal eine Stunde brauchen. Und du musst eine ganze Menge an Festplattenplatz bereitstellen. Denn Videodaten sind groß. Ein durchschnittlicher Film in Full-HD (1080p) hat so um die 8 bis 10 GB Platzbedarf. Eine DVD ist deutlich weniger anspruchsvoll und kommt mit 2 bis 5 GB aus. Ich habe mittlerweile über 400 Filme digitalisiert und komme auf etwa 3 TB Platzbedarf. Außerdem habe ich 30 Serien mit insgesamt guten 700 Folgen in Jellyfin, die einen Platz von 1,5 TB haben. Das Schöne ist aber: Du kannst klein anfangen und nach und nach neue Festplatten mit Jellyfin verbinden.

Wenn Jellyfin eingerichtet ist, kannst du deine Filme und Serien im ganzen Haus anschauen – ohne Algorithmus, ohne Werbung, ohne Preiserhöhung, ohne dass dir Content entzogen wird, einfach per Browser oder per App.

Physische Medien sind schweineteuer!

Jetzt ist es natürlich so, dass physische Medien ordentlich Geld kosten. Beim Media-Markt müsste ich für die Staffel 1 von Sherlock aktuell 16 Euro und für Staffel 2 sogar 17 Euro berappen. Staffel 3 ist gerade nicht verfügbar. Macht aber nichts, denn ich habe die Staffeln 1, 2 und 3 der Serie zusammen mit drei weiteren Filmen für insgesamt gerade einmal 25 Euro gekauft. Gebraucht.

Es gibt hervorragende Bezugsquellen für gebrauchte Filme und Serien: Es gibt medimops, Kleinanzeigen, den lokalen Flohmarkt, aber auch die Grabbeltische im örtlichen Elektronikdiscounter. Sogar in größeren Supermärkten wie Edeka-Centern oder im Kaufland gibt es oft eine kleine Ausverkauf-Ecke für Filme.

Wenn du gebrauchte Filme kaufst, heißt es natürlich, dass du nicht immer alles sofort bekommen kannst. Oder der Preis passt nicht. Staffel 4 von Sherlock etwa war mir bei medimops zu teuer. Darum habe ich nur die ersten drei gekauft.

Auf dem Bild liegen verschiedene Blu-ray-Filme verstreut auf einem Tisch. Die Titel sind Master and Commander, Terminator Genysis, Cloverfield sowie die ersten drei Staffeln der Serie Sherlock.
Mein jüngster medimops-Haul – drei Filme und drei Staffeln »Sherlock« für insgesamt gerade einmal 25 Euro.

So lasse ich für vergleichsweise wenig Geld meine Medien-Bibliothek weiter anwachsen. Sobald ich die Discs digitalisiert habe, wandern sie in den Keller, wo sie von nun an ihr Dasein fristen können. Ich muss mit ihnen nur im Fall des Falles nachweisen können, dass mir der Film auf meinem Jellyfin-Server wirklich gehört. (Wobei – meine Sammlung ist ohnehin nie vollständig, weil ich dauernd irgendwas an Freund:innen, Verwandte und Kolleg:innen verleihe, die nämlich auch alle die Faxen dicke haben und den Streaming-Diensten in Scharen davonlaufen.)

Warum ist dein eigener Streaming-Dienst sinnvoll?

  • Mit Jellyfin gibt es keine Bindung an irgendeinen amerikanischen Anbieter. Kein Abo, das du zu kündigen vergisst. Kein Preis, der mal wieder steigt. Du baust etwas auf, das dir gehört – und nur dir.
  • Wenn du einen Film einmal hast, hast du ihn. Er wird dir nicht entzogen, weil irgendwelche Lizenzverträge ablaufen. Er wird nicht gelöscht, weil der Service ihn aus dem Katalog nimmt. Punkt.
  • Jellyfin hat kein Geschäftsinteresse an deinen Sehgewohnheiten. Es hat keinen Algorithmus, der dir immer wieder Vorschläge vom Selben macht, um dir mehr Bildschirmzeit abzuknöpfen. Es hilft dir einfach, deine Inhalte zu organisieren – fertig.
  • Nach der einmaligen Investition in die benötigte Hardware sind die laufenden Kosten minimal. Ein paar Euro Strom pro Monat. Und anstatt 40 oder 50 Euro amerikanischen Big-Tech-Unternehmen in den Rachen zu schmeißen, bleibt dein Geld im eigenen Land.

Jellyfin ist nicht für jede:n

Ich muss aber ganz klar sagen: Wenn du keine Lust auf Gefrickel hast, lass die Finger von Jellyfin. Viele Sachen in dieser Software sind einfach unglaublich umständlich und schwer zu durchschauen, besonders für komfortverwöhnte Mac-User:innen wie mich. Ein bisschen technologieaffin solltest du sein – oder bereit sein, dir das nötige Wissen anzueignen.

Kurzum: Jellyfin ist nicht die perfekte Lösung. Aber es ist meine Lösung. Meine Filme, mein Server, meine Entscheidungen. Und diese Autonomie, diese Unabhängigkeit von kommerziellen Streaming-Diensten ist mir jeden Aufwand wert.

Wenn du Lust hast, werde ich dir in weiteren Artikeln erzählen, wie ich Jellyfin aufgesetzt habe und wie ich meine Filme und Serien organisiere.

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