Vor ein paar Jahren hätte ich dich ausgelacht, wenn du mir gesagt hättest, dass ich heute einen Weg aus dem Apple-Universum suchen würde. Aber dann kamen zwei Dinge zusammen.
Erstens, ich begann einen neuen Job bei einem deutschen Unternehmen, das sichere Videokonferenz-Tools entwickelt. In diesem Umfeld lernte ich, wie sorglos ich bisher mit meiner digitalen Spur im Internet umgegangen bin und wie gefährlich diese Daten in den falschen Händen sein können.
Zweitens, Donald Trump begann seine zweite Amtszeit als US-Präsident, und schon nach wenigen Tagen war klar, dass er die liberale Demokratie vernichten und eine faschistische Diktatur etablieren will. Meine digitale Identität liegt in den USA – und ist damit in den falschen Händen.
Warum es für mich persönlich wurde
Fast alle meine digitalen Dienste sind seit Jahren – seit Jahrzehnten! – amerikanisch. Google, Amazon, PayPal, Apple, Netflix, Disney+, Microsoft, Zoom, YouTube Premium – all diese und noch ganz andere US-Unternehmen verdienen Monat für Monat Hunderte Euro an mir. Denn all diese digitalen Dienste sind wahnsinnig bequem.
Ich kann US-Unternehmen alles Mögliche vorwerfen, aber mein Bedürfnis nach Bequemlichkeit können Sie wirklich gut befriedigen. Allein schon Amazon: Es gibt eigentlich nichts, was du da nicht kaufen könntest, und mit einem kleinen jährlichen Aufpreis fallen die Lieferkosten fast immer weg, und du bekommst für denselben Obolus auch noch einen Videostreaming-Dienst. Das ist sehr praktisch, sehr bequem und hat mich schon sehr früh überzeugt: Meine erste Bestellung bei Amazon war im November 2001.

Doch dann sah ich den Kniefall der Tech-CEOs vor Trump bei dessen Amtseinführung im Januar 2025: Jeff Bezos (Amazon), Mark Zuckerberg (Meta), Tim Cook (Apple), Sundar Pichai und Sergey Brin (Google/Alphabet), Elon Musk (Tesla, SpaceX, X) und Sam Altman (OpenAI). Selbst Dara Khosrowshahi (Uber) war da.
Die gesamte Elite des Überwachungskapitalismus war da – und alle machten den Kotau. Sie alle. Und jetzt, ein Jahr später, katzbuckeln sie noch immer. Denn obwohl sonnenklar ist, dass Trump das Land zerfetzt und Menschenrechte zertrampelt, unternimmt keine:r von ihnen irgendwas gegen die Zerschlagung der amerikanischen Demokratie, keine:r bezieht Stellung gegen das Terrorregime, das Trump mit seiner ICE-Schlägertruppe errichtet. Denn Trump macht sie, die Tech-CEOs, reicher und reicher und immer reicher. Das scheint alles zu sein, was für diese Leute zählt.
Kein Geld für Antidemokrat:innen
Das will ich nicht mehr. Mein Geld soll nicht an Faschist:innen und ihre Unterstützer:innen gehen. Darum habe ich begonnen, mich mit meinem Ausstieg aus Big Tech zu beschäftigen. Das wird ein langer und steiniger Weg für mich werden. Den aktuellen Stand kannst du jederzeit auf meiner Roadmap nachschlagen.
Auf dieser Seite will ich Protokoll darüber führen, um für meine Familie und Freunde, aber vor allem für mich selbst meine kleinen Schritte hin zu meiner eigenen digitalen Souveränität zu dokumentieren. Und um vielleicht auch dir Inspirationen für einen Break-up mit dem amerikanischen Big Tech zu geben.

Ich hab die Faxen dicke vom Surveillance Capitalism. Darum entfessele ich mein Privatleben davon, Schritt für Schritt. (Beruflich wird mir das jedoch leider nicht so richtig gelingen.)
